Multi- und Interdisziplinärer Forschungsansatz

Die beschriebene Ausgangslage und die komplexen Herausforderungen, vor denen demokratische Rechtsstaaten stehen, bedürfen auch bei der Sicherheitsforschung neuer Ansätze. Forschung allein innerhalb herkömmlicher Fachrichtungen wird die Interdisziplinarität des Forschungsgegenstands Sicherheit weder hinreichend analysieren, noch geeignete Erkenntnisvorsprünge entwickeln können.
Die heutigen Bedrohungen erfordern neue, innovative und integrierte Lösungen und ein Denken „out of the box“. Ziel ist es, die Verwundbarkeit der modernen Gesellschaften zu reduzieren, sowie die demokratische Verantwortung und „Produktivität“ der verantwortlichen Sicherheitskräfte zu erhöhen. Diese müssen die erforderlichen Befähigungen (Einsatzstrategie und -taktik, Einsatzmittel, Training) sowie die Möglichkeiten erhalten, im nationalen und internationalen Verbund vorgehen zu können, um den Bedrohungen effektiv und effizient entgegenzutreten. Die Notwendigkeit erhöhter Sicherheitsanforderungen muss aber von einem demokratietheoretischen Diskurs begleitet werden, der die Spannungsverhältnisse von Freiheit und Sicherheit, Sozialstaat und Sicherheit, etc. reflektiert und dabei hilft, die einer freiheitlichen Gesellschaft zuträgliche Balance zu wahren.

Auch die moderne Sicherheitsforschung muss sich diesen neuen Herausforderungen stellen. Im europäischen und im deutschen Sicherheitsforschungsprogramm kommt zum Ausdruck, dass eine wirkungsvolle Sicherheitsforschung nur im Wege eines interdisziplinären und internationalen Vorgehens gelingen kann. Allein technisch lassen sich die Herausforderungen ebenso wenig bewältigen, wie ausschließlich mit Hilfe von politik- oder sozialwissenschaftlichen Analysen „am grünen Tisch“. Erst die multidisziplinäre Zusammenschau bildet die Grundlage, auf der die Sicherheitsforschung einen maßgeblichen Beitrag zu Freiheit und Sicherheit in unserer Gesellschaft leisten kann und muss.
Zur multi- und interdisziplinären Dimension des Forschungsgegenstandes gehört auch eine Betrachtung unter dem „Diversity“-Aspekt. Eine differenzierte Forschungsbetrachtung nach Religionszugehörigkeit, Ethnie oder Geschlecht sowie sozioökonomischem Status kann Einsichten in die Wirkungsweise von Sicherheitskonzepten ermöglichen und helfen, demokratiegefährdende Entwicklungen zu verhindern.

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